Posts Tagged ‘Castoriadis’

Radikale Demokratie

Tuesday, May 4th, 2010

Reinhard Heil / Andreas Hetzel [Text als PDF][1]

Die Demokratie befindet sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts in einer realen und legi­­ti­ma­torischen Krise. Zwei komplementäre Tendenzen bestimmen ihren gegen­wärtigen Zustand: die Globali­sierung und die Entkernung des Staates. Relevante politische Entscheidungen werden heute, wie das Beispiel der EU lehrt, immer weniger von demokratisch verfassten Institutionen getroffen, als vielmehr von überstaatlichen Bürokra­tien, Verhandlungsgremi­en, Experten­runden und Poli­tik­netzwerken; gleich­zeitig tritt der Staat auch intern Ent­schei­dungskompe­ten­zen an andere gesellschaft­liche Teilsysteme wie Wirtschaft und Recht ab. Er reduziert seine Aufgabe darauf, die Gesellschaft in einen möglichst attraktiven Standortfaktor für die Ansiedlung von Unternehmen zu verwandeln. Gesellschaft wird zu einer Ressource, deren ökonomische Ausbeutung vom Staat nicht verhindert, sondern befördert wird. Diejenigen Teile der Gesellschaft, die sich nicht ausbeuten lassen, werden aufgegeben, abgespalten, unsichtbar ge­macht. In Begriffen gesellschaftlicher Ungleichheit lässt sich diese neue Si­tu­a­tion insofern nicht mehr beschreiben, als die Partizipation weiter Teile der Bevöl­kerung an der Ge­sellschaft selbst auf dem Spiel steht. Politik und Demokratie werden zu hyperre­alen Phänomenen (vgl. Baudrillard 1992), zu mas­senmedialen Inszenierungen (vgl. Meyer 1992), die über ein reales Ende politischer Praxis hinwegzutäuschen suchen.

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Das politische Imaginäre im Denken der Radikaldemokratie

Tuesday, April 27th, 2010

Das Politische geht nicht im Symbolischen auf. Vielmehr zeugt es von einem Überschuss des Imaginären, das einer politischen Ordnung allererst ihre symbolische und materiale Gestalt verleiht. Soziale und politische Institutionen sind demnach immer auch von ihren imaginären Bedeutungen her beschreibbar. Ein so verstandenes, in gleicher Weise politisches wie ‚radikales Imaginäres’ (Castoriadis) bricht mit den klassischen Dichotomien von Realität und Fiktion, Wirklichkeit und Vorstellung oder Faktum und Phantasma. Radikal ist das Imaginäre vor allem deshalb, da es im Sinne einer ‚vorbildlosen Schöpfung’ als wirklichkeitsgenerierend gedacht wird, politisch, weil ‚Nation’ oder ‚Volk’ nicht lediglich als eine Vorstellung in unseren Köpfen, sondern als ein sozio-historischer Akt vorbildloser Selbstinstitution der Gesellschaft durch die Gesellschaft zu verstehen sind. Das Imaginäre durchzieht damit alle Dimensionen von Politik.

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